Freiheiten für Vettel - ein sanfter Motor für Schumi
Von Felix Götz
München - Die fünfwöchige Sommerpause neigt sich dem Ende entgegen.
Am Sonntag startet die Formel 1 mit dem Klassiker in Spa in die verbleibenden neun Saisonrennen.
Wie vom Regelwerk vorgeschrieben blieben die Fabriken für zwei Wochen geschlossen, der Rest der Zeit wurde aber intensiv genutzt.
Jeder Rennstall hatte das gleiche Ziel: die Boliden zu verbessern. Aber was genau hat sich in der Pause getan?
SPORT1 macht den Teamcheck:
* Red Bull (246 Punkte)
Mark Webber (124) liegt mit 40 Zählern Rückstand auf Fernando Alonso in der Fahrerwertung auf Rang zwei, Sebastian Vettel ist mit zwei Punkten weniger Dritter - macht Rang eins in der Teamwertung.
Trotzdem ist es für Red Bull im Vergleich zur Dominanz 2011 eine komplizierte Saison.
Keinen Rennstall haben die Regeländerungen (Verbot des angeblasenen Diffusors) härter getroffen als die "Bullen".
Zudem musste während der Saison das Motorenmapping geändert werden, weshalb es zuletzt teilweise nicht zu Spitzengeschwindigkeiten reichte.
"Jetzt müssen wir uns etwas Neues überlegen", hielt Chefdesigner Adrian Newey fest.
Genaueres wurde bisher nicht verraten. Klar ist, dass die Abstimmung des Boliden besser werden muss. Auch, um den Fahrern während eines Rennens mehr Freiheiten zu geben.
* McLaren (193 Punkte)
Nach einem fulminanten Start in Australien mit dem Sieg von Jenson Button und dem dritten Platz von Lewis Hamilton schien McLaren für so manchen Beobachter das Mass aller Dinge zu sein.
Doch die Briten bauten ab. Probleme im Umgang mit den Reifen machten dem Rennstall zu schaffen. Mittlerweile zeigt die Formkurve aber wieder nach oben.
Hamilton liegt mit 47 Punkten Rückstand auf Alonso immerhin auf dem vierten Platz. Auch für Button (76 Zähler, Rang sieben) läuft es besser, sein Rückstand dürfte es ihm allerdings kaum ermöglichen, im Kampf um den Titel noch ein Wörtchen mitzureden.
Für die verbleibenden neun Rennen ist McLaren trotzdem zuversichtlich. "Ich denke, dass wir nun eine solidere Grundlage haben", erklärte Teamchef Martin Whitmarsh.
Das Hauptaugenmerk bei den Tüfteleien während der Pause in Woking lag auf dem zwar verbesserten, aber noch nicht einwandfreien Reifenverschleiss. Der MP4-27 muss reifenschonender werden.
* Lotus (192 Punkte)
Kimi Räikkönen (116) auf Platz fünf, Romain Grosjean (76) auf dem achten Rang: Lotus fährt eine gute Saison. Nur ein Sieg blieb dem Team bisher verwehrt.
Schnell ist der E20 auf nahezu allen Strecken, im Qualifying will es aber nicht rund laufen.
Das Problem: Der Bolide ist zwar extrem reifenschonend, es dauert daher aber lange, um die Pneus auf die nötige Temperatur zu bekommen.
"Ich bin Fünfter und werde natürlich versuchen, mehr Punkte als die Fahrer vor mir zu holen", kündigte der "Iceman" an.
Grosse Hoffnungen setzt Lotus auf das neue Doppel-DR-System, das in Belgien erstmals zum Einsatz kommt.
Der Lotus soll dadurch auf den Geraden noch schneller werden.
* Ferrari (189 Punkte)
Dass Ferrari in der Teamwertung nur Vierter ist, liegt an Felipe Massas Katastrophen-Saison. Der Brasilianer, der um seinen Job kämpft, hat nur 25 Zähler auf dem Konto.
Alonso liegt derweil mit 164 Punkten an der Spitze. Und das, obwohl die Scuderia zu Saisonbeginn grosse Probleme hatte.
Der Bolide sei nicht konkurrenzfähig, hatte es geheissen. Zunächst hielt Alonso durch Weltklasse-Leistungen die Italiener auf Kurs, dann wurde das Auto Schritt für Schritt weiterentwickelt.
Vor allem die Verlegung des Auspuffs brachte eine Verbesserung.
Zwar hat Ferrari auch aktuell nicht das schnellste Auto, aber ein insgesamt sehr gutes Paket. "Wir sind ein fast perfektes Team und können auch ohne das schnellste Auto Weltmeister werden", sagte Alonso.
Und der Spanier erklärte auch, dass es nichts Grundsätzliches mehr zu verbessern gibt: "Wir betreiben Feintuning in kleinen Schritten."
* Mercedes (106 Punkte)
Für Mercedes lief die Saison bisher nicht gut, für Michael Schumacher schlecht. Der Rekord-Champion ist mit 29 Punkten Zwölfter.
Sein Teamkollege Nico Rosberg konnte zwar in China einen Sieg feiern, doch auch er dürfte bei 87 Zählern Rückstand auf Alonso mit der Titelvergabe nichts zu tun haben.
Nach einem zwischenzeitlichen Hoch zeigt die Formkurve seit einigen Rennen wieder nach unten.
Das Problem: Die "Silberpfeile", bei optimalen Bedingungen richtig starke Autos, funktionieren alles andere als zuverlässig. Das beweisen schon allein die sechs Ausfälle von Schumi.
Grosse Schwierigkeiten gab es auch mit den zu schnell abbauenden Hinterreifen, weshalb der schwäbische Rennstall sogar ab und zu gezwungen war, den mitunter vorhandenen Speed nicht voll auszuschöpfen.
"Zuletzt hatten wir eher die Situation, in der unser Aufwärtstrend abflachte. Das bedeutet aber nicht, dass das jetzt so bleibt", so Schumacher.
Die Hauptaufgabe in der Pause war, dem Motor eine sanftere Leistungsentfaltung zu erlauben, wodurch auch der Reifenverschleiss verringert werden soll.
SPORT1










