Hamilton glänzt - Vettel lauert - Silber scheitert
Von Marc Ellerich
München - Das Comeback der Chrompfeile hatte sich abgezeichnet.
Vergangene Woche, beim Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim, hatte Jenson Button den McLaren MP4-27 auf den zweiten Platz gesteuert.
Sechs Tage später legte Teamkollege Lewis Hamilton in der Qualifikation zum Ungarn-Grand-Prix nach: Der Engländer stellte seinen Rennwagen auf dem Hungaroring als Erster ab - ohne der Konkurrenz auch nur den Hauch einer Chance zu lassen.
Als einziger der 24 Piloten unterbot Hamilton im Zeitfahren die Marke von 1:21 Minuten. Sein erster Verfolger, Romain Grosjean im Lotus, lag über vier Zehntelsekunden zurück.
Weltmeister Sebastian Vettel war auf Platz drei bestplatzierter deutscher Pilot, aber auch ihm fehlte fast eine halbe Sekunde auf den englischen Konkurrenten.
"Lewis war vorne einfach viel zu weit weg", kommentierte der Heppenheimer die Vorstellung des englischen Pole-Setters auf dem 4,4 Kilometer langen Kurs.
Vettel nicht ganz zufrieden
Er sei mit der Qualifikation nicht vollkommen zufrieden, räumte der Red-Bull-Pilot ein. Seinem Rennwagen habe ein wenig die Balance gefehlt, meinte Vettel: "Ruckzuck hast du dann ein paar Zehntel drauf."
Wie Vettel konnte auch WM-Leader Fernando Alonso nicht mit dem Tagesschnellsten mithalten. Der Ferrari-Pilot geht als Sechster ins ungarische Rennen.
Womit er immer noch einen deutlichen Startvorteil gegenüber seinem ersten Verfolger im Kampf um die WM-Krone hat: Vettels Teamkollege Mark Webber verfehlte als Elfter den Final-Durchgang.
Der Australier beklagte anschliessend die fehlende Haftung seiner Reifen: "Dann fliegt man eben raus."
Mercedes chancenlos
Hamilton dagegen war rundum glücklich, nachdem er die 150. Pole-Position für sein Team sichergestellt hatte: "Jenson hat schon beim Deutschland-Grand-Prix gezeigt, dass die Updates eine Verbesserung sind. Ich hoffe, mir gelingt das im Rennen auch."
Die Kommentare der deutschen Piloten hörten sich nach dem Qualifying wesentlich bedrückter an.
Vor allem bei Mercedes war die Stimmung am Tiefpunkt. Nico Rosberg verpasste wie bereits bei seinem deutschen Heimrennen auch in Ungarn das Finale. Er startet am Sonntag als Dreizehnter.
Noch einmal um vier Plätze schlechter schnitt Superstar Michael Schumacher ab.
Rosberg: So viel schlechter
"Man hat eindeutig gesehen, dass wir nicht das Tempo haben, um vorne mitzuhalten", stellte der Mercedes-Pilot fest, der sich zudem von Williams-Mann Pastor Maldonado behindert fühlte.
Sein Team erlebe derzeit eine Achterbahnfahrt, so der Rekord-Weltmeister weiter: "Die Mischung aus Strecken-Layout und den hohen Temperaturen liegt uns nicht besonders, das wissen wir." Aber Mercedes könne ja nicht in jedem Grand Prix auf Regen hoffen.
Teamkollege Rosberg konnte seine tiefe Frustration kaum noch verbergen: "Es kann nicht sein, dass alles an unserem Auto so viel schlechter ist als bei den anderen." Es werde schwierig, im Rennen aufzuholen.
Vettel nur mit einem Versuch
Derlei Sorgen machte sich Doppel-Weltmeister Vettel nach seinem dritten Platz nicht. Den Kampf um die Pole-Position betrieb der Red-Bull-Pilot ganz offensichtlich nicht mit letzter Konsequenz.
Nach nur einem Versuch steuerte er den RB8 zurück an die Box, auch weil er nur noch einen frischen Satz weicher Reifen zur Verfügung hatte.
"Vielleicht ist Platz drei nicht einmal so schlecht. Ich starte von der sauberen Seite", bilanzierte Vettel anschliessend.
Red Bull erneut am Pranger
Dem Deutschen dürfte auf dem Hungaroring daran gelegen sein, im letzten Grand Prix vor der vierwöchigen Sommerpause ausschliesslich mit der Konkurrenz die Kräfte zu messen und nicht erneut in zusätzliche Querelen mit dem Automobil-Weltverband verstrickt zu werden.
Nach der Aufregung beim Deutschland-Grand-Prix um eine angeblich illegale Motoren-Einstellung und Vettels Rückversetzung wegen des unerlaubten Überholmanövers gegen Button kurz vor Schluss des Rennens, stand Red Bull vor dem Ungarn-Grand-Prix erneut am Pranger.
Horner weist Verdacht zurück
Diesmal ging es nach einem Bericht von "auto, motor und sport" um einen Mechanismus, mit dem Red Bull die Fahrwerkshöhe per Hand verstellen konnte, was verboten ist.
Die FIA bestrafte das Weltmeister-Team nicht, forderte den Rennstall aber schon in Kanada auf, den Technik-Trick auszubauen.
Teamchef Christian Horner musste sich in Budapest neuerlich gegen Verdächtigungen wehren, Red Bull habe gegen Regeln verstossen.
"Wir haben niemals die Bodenfreiheit im Parc ferme (zwischen Qualifying und Rennen, d. Red.) verstellt", beteuerte Horner: "Das ist wirklich ein Nicht-Thema."
"Lotus wird sehr schnell sein"
Und auch das Motoren-Thema aus Deutschland sei in der ungarischen Hitze keines mehr gewesen, bekräftigte sein Pilot am Samstag.
"Das hat uns nicht so sehr zu schaffen gemacht, wie die Leute vielleicht glauben", behauptete Vettel und blickte optimistisch in Richtung Renn-Sonntag.
"Wir haben ein gutes Renn-Tempo", sagte er. Mit Sprit an Bord sei der Red Bull sogar besser als nur leicht betankt.
Bliebe als Unsicherheitsfaktor als nur noch die Lotus-Konkurrenz, allen voran Bruch-Pilot Romain Grosjean.
Der Franzose habe sich in der Vergangenheit in der Startphase nicht immer "einen Gefallen getan", so Vettel: "Aber ich glaube, er hat daraus gelernt. Lotus wird im Rennen sehr schnell sein."
SPORT1










