Alonso auf Titelkurs - Vettel & Co im Tal
Vom Hockenheimring berichtet Marc Ellerich
Hockenheim - Der Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim markiert die Halbzeit der Formel-1-Saison 2012 .
Schon am kommenden Wochenende rasen die Boliden wieder.
Auf dem Hungaroring kämpfen die 24 Piloten um WM-Punkte, danach geht die PS-Liga in die einmonatige Sommerpause .
Viele Fragen stellen sich: Hat Hockenheim-Sieger Fernando Alonso nach seinem dritten Triumph in diesem so tubulenten Jahr den Titel schon so gut wie sicher? Schaffen Red Bull und sein deutscher Weltmeister Sebastian Vettel die Wende?
Findet Mercedes mit dem deutschen Piloten-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg den Weg zurück zur Siegfähigkeit?
SPORT1 zieht nach den zehn Grands Prix der ersten Saisonhälfte eine Bilanz.
* Ferrari: (Fernando Alonso, Felipe Massa)
Hockenheim-Triumphator Alonso ist nicht nur ein Meister im Formel-1-Kreisverkehr, er ist auch fast unschlagbar im Understatement .
Drei Mal überquerte er den Zielstrich in diesem Jahr als Erster (Malaysia, Valencia, Hockenheim), und stets fand der Doppel-Weltmeister der Jahre 2005 und 2006 ein Haar in der Suppe.
So auch nach seinem Sieg in Deutschland. "Es war kein leichtes Rennen, denn wir waren im Trockenen nicht die Schnellsten."
Doch Ferraris Nummer eins ist zugleich Realist, und so sträubte sich Alonso nicht dauerhaft gegen die Wahrheit, dass er es ist, der im F2012 in der Formel 1 derzeit den Ton vorgibt.
"Das Auto hat keine Schwächen mehr", sagte Alonso: "Es ist in allen Bereichen konkurrenzfähig. Ich kann keine Probleme erkennen."
Was für ein Comeback nach dem Winter-Desaster, als alle Welt dem Ferrari bereits den Schimpfnamen "Rote Hexe" verpasst hatte .
"Unglaublich" nannte Formel-1-Insider Alex Wurz im SPORT1- die Rückkehr der Roten.
Und sogar Red-Bull-Teamchef Christian Horner pries Alonso gegenüber SPORT1 . "Er hat jetzt 20 Rennen in Folge in den Punkten beendet. Das ist ein bemerkenswerter Rekord", sagte der Engländer vor dem Deutschland-Rennen.
Experte Marc Surer hat höchsten Respekt vor dem Spanier: "Er holt jedes Mal das Maximum raus, manchmal noch mehr. Wie gut der Ferrari eigentlich ist, sieht man daran, wo Massa rumkurvt."
Der Brasilianer spielt keine Rolle mehr - weder im Team geschweige denn in der WM-Konkurrenz.
Dort hat Alonso durch den Hockenheim-Triumph seinen Vorsprung auf die Verfolger Mark Webber, der nur Achter wurde, und Vettel, der nach einer Zeitstrafe vom zweiten auf den fünften Platz zurückfiel, auf 34 bzw. 44 Punkte ausgebaut.
SPORT1-Fazit: Alonso ist auf WM-Kurs. Hält Ferrari sein Entwicklungstempo durch, wird das italienische Team für die Konkurrenz eine ganz harte Nuss.
* Red Bull (Sebastian Vettel und Mark Webber)
Das Weltmeister-Team ist angeschlagen. Grundsätzlich ist der RB8 auch 2012 ein Weltmeister-Auto.
Vettel konnte Alonso in Hockenheim nicht halten, doch Platz zwei hätte den Titelverteidiger wieder in Schlagdistanz zu Alonso gehievt .
Aber die Überlegenheit des Vorjahres ist dahin. Hinzu kommen die Technik-Querelen mit dem Automobil-Weltverband FIA, die in Hockenheim kulminierten.
Sicher auch ein Grund für Vettels harte Bestrafung nach dem Manöver gegen McLaren-Star Jenson Button. Zwei Mal durften die Stewards Red Bull nicht davonkommen lassen, ohne sich angreifbar zu machen.
Was den Bullen das Leben zudem schwer machen dürfte ist das derzeit noch ungelöste Stallduell zwischen Vettel und Webber. So nimmt sich das Duo unter Umständen wertvolle WM-Punkte weg.
Beruhigend für das Vettel-Team: Hält der Trend an, muss sich Red Bull bald nur noch auf einen Rivalen konzentrieren. Lotus-Pilot Kimi Räikkönen, in Hockenheim Dritter, und McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der bei seinem 100. Grand Prix aufgab, dürften sich schwer tun, noch Anschluss nach ganz vorne zu finden.
"Wir müssen Alonso jetzt auch einmal wieder schlagen", definierte Red-Bull-Chef Christian Horner in Hockenheim den grössten Widersacher seines Teams.
SPORT1-Fazit: Der Weg bis zum Saisonfinale in Sao Paulo ist noch lang. Aber besonders Vettel benötigt nach dem Technik-K.o. in Valencia und dem demoralisierenden Heimrennen wieder ein Erfolgserlebnis. Sonst gerät die Titelverteidigung in Gefahr.
* Mercedes (Michael Schumacher, Nico Rosberg)
Für die Silberpfeile setzte es beim Heim-Grand-Prix nach einem starken Auftritt von Michael Schumacher im verregneten Qualifying die nächste Enttäuschung.
Im Grand Prix wurde der letzte deutsche Hockenheim-Sieger vom dritten auf den siebten Platz durchgereicht. Eine Drei-Stopp-Strategie brachte zwar die schnellste Rennrunde, scheiterte ansonsten aber komplett.
Nico Rosbergs starke Aufholjagd vom 21. auf den zehnten Platz dürfte die Stimmung in der selbsterklärten "deutschen Nationalmannschaft der Formel 1" kaum heben.
Zumal Rosberg anschliessend gnadenlos die Rückentwicklung seines Teams ansprach: "Bis vor ein paar Wochen war es gut, jetzt nicht mehr. Jetzt muss der nächste Schritt kommen."
Nico Rosbergs starke Aufholjagd vom 21. auf den zehnten Platz dürfte die Stimmung in der selbsterklärten "deutschen Nationalmannschaft der Formel 1" kaum heben. Zumal Rosberg anschliessend gnadenlos die Rückentwicklung seines Teams ansprach: "Bis vor ein paar Wochen war es gut, jetzt nicht mehr. Jetzt muss der nächste Schritt kommen."
Bei Motorsportchef Norbert Haug herrscht mittlerweile das Prinzip Hoffnung. "Die Dinge können sich schnell ändern", sagte er auf SPORT1-Nachfrage. Doch auch für Haug gilt: "Wir müssen uns stark steigern."
SPORT1-Fazit: Mercedes hält mit den Besten nicht Schritt, jedenfalls nicht im Rennen. Die Reifen stellen die Silberpfeile weiterhin vor scheinbar unlösbare Aufgaben. Das Ergebnis lässt sich an der Konstrukteurs-Wertung deutlich ablesen. Die Deutschen liegen nur noch auf Platz fünf.
* McLaren (Lewis Hamilton, Jenson Button) - Lotus (Kimi Räikkönen, Romain Grosjean)
Die Engländer und das Team des finnischen Iceman Kimi Räikkönen sind wieder im Kommen. Um ganz vorne anzugreifen, fehlte bisher jedoch die Konstanz.
Was Räikkönen - der in Deutschland vom zehnten auf den dritten Platz fuhr - anspornen dürfte: Bei neun von zehn Rennen der zweiten Saisonhälfte könnte es heisse Temperaturen geben. Ein Wetter, das dem E20 stark entgegen kommt.
McLaren dürfte nach Buttons Comeback dank gelungener Updates wieder Mut fassen. Die Reifen bleiben allerdings die Problemzone des MP4-27.
SPORT1-Fazit: Red Bull sollte stets eine Auge auf seine beiden Verfolger-Teams haben.
SPORT1










