''Eine grausame italo-spanische Revanche''
Hockenheim - Die Briten spotten, die Italiener und Spanier werden politisch: Nach dem erneut verpassten Heimsieg von Weltmeister Sebastian Vettel auf dem Hockenheimring herrschte in manch anderem europäischen Land Schadenfreude.
Die spanische Zeitung "AS" schrieb vom "Sieg im Vettel-Merkel-Territorium" .
Und auch der italienische Corriere dello Sport schickte einen Gruss an die Bundeskanzlerin: "Dieser Sieg ist Frau Merkel gewidmet."
Die britische "Sun" meinte dagegen: "Vettel verlässt den Hockenheimring mit gebrochenem Herzen."
Die Boulevard-Konkurrenz des "Mirror" bezeichnete Vettel nach dessen Kritik an Lewis Hamilton gar als "Heulsuse" .
SPORT1 fasst die Pressestimmen zum Deutschland-Grand-Prix zusammen:
ITALIEN
Gazzetta dello Sport: "Jetzt schlägt die Stunde der Wende. Italien und Spanien sind vielleicht von einer tiefen Wirtschaftskrise erschüttert, doch sie haben gestern Frau Merkel eine grosse Freude, oder einen grossen Schock beschert .
Alonso hat 44 Punkte Vorsprung auf seinen gefährlichsten Rivalen. Ferrari mit Alonso Erster vor Mercedes als McLaren-Lieferant - das ist eine grausame italo-spanische Revanche. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der F2012 das Produkt eines griechischen Ingenieurs, Nick Tombazis, ist."
Corriere dello Sport: "Alonso und Ferrari sind die Herren über Deutschland. Deutschland ist Europas Wirtschaftslokomotive, doch auf dem Podium in Hockenheim ertönen die Hymnen Italiens und Spaniens.
Das rettet uns zwar nicht vor den spekulativen Finanzattacken und vor den steigenden Risikoaufschlägen, doch jemand wird sagen: Der Sieg in Hockenheim ist Frau Merkel gewidmet. Sport und Wirtschaft sprechen offenkundig verschiedene Sprachen, wenn man bedenkt, dass bei der EM 2012 Italien Deutschland besiegt hat, und dann im Finale gegen Spanien stand."
Tuttosport: "Alonsos Sieg war ein Meisterwerk: Ferrari greift jetzt nach dem Meisterschaftstitel. Der Spanier beeindruckt mit seiner Fähigkeit, die entscheidenden Momente zu meistern. Er setzt Vettel unter Druck. Alonso war noch nie so stark, was auch dem F2012 zu verdanken ist. Der F2012 ist das Auto der Wende."
Repubblica: "Alonso nimmt Rache: Ein Spanier in einem italienischen Auto, der in Deutschland siegt. Alonso ist ein Phänomen, der von keiner Statistik erfasst werden kann. Vor allem jetzt, da sein Ferrari zum stärksten Auto aufgerückt ist.
Alonsos Stärke setzt Vettel arg unter Druck. Dessen Auto ist nicht mehr perfekt, und er hat sich diesem Standard angepasst. Wenn Webber der gefährlichste Rivale Alonsos ist, kann der Spanier eine Woche lang schlafen."
SPANIEN
AS: "Alonso ist nich zu bremsen. Er baut seine Führung nach dem Sieg im Vettel-Merkel-Territorium weiter aus."
Marca: "Grosser Triumph von Alonso, schon der dritte in dieser Saison. Alonso führt nach Siegen und Punkten. Vettel ist nun schon 44 Punkte zurück."
ENGLAND
Mirror: "Vettels Kreuzzug nach dem Heimsieg geht weiter. Alonso war ganz stark."
Sun: "Vettel kocht vor Wut und verlässt den Hockenheimring mit gebrochenem Herzen. Alonso ist dem Ziel, zum König der Formel 1 gekrönt zu werden, dagegen wieder ein Stück näher gekommen."
Independent: "Alonso fuhr das Rennen eines Weltmeisters. Vettel motzte."
SPORT1
