Vettel drängt sich auf Platz 2 - Kommissare ermitteln
Vom Hockenheimring berichtet Marc Ellerich
Hockenheim - Sebastian Vettel bleibt der Juli-Fluch treu. Auch im vierten Anlauf hat der Doppel-Weltmeister sein deutsches Heimrennen nicht gewinnen können.
Beim Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim zeigte der Zweitplatzierte des Qualifyings zwar ein beherztes Rennen, musste den Sieg aber dem spanischen Pole-Setter Fernando Alonso im Ferrari überlassen. Platz drei ging an McLaren-Pilot Jenson Button.
Rekord-Weltmeister Michael Schumacher fiel wie in Silverstone vor zwei Wochen vom dritten Startplatz auf den siebten Rang zurück, war aber zweitbester Deutscher.
"Es macht nicht so viel Spass, wenn man kämpft und am Ende nicht einmal die Platzierung vom Start nicht halten kann", so der Mercedes-Pilot.
Rennkommission ermittelt
Allerdings ermittelt die Rennkommission noch, ob Vettels Überholmanöver kurz vor Schluss gegen Button regelkonform war, denn der Red-Bull-Pilot überholte den Briten ausserhalb der Strecke.
"Es war eine schwierige Situation, ich wusste nicht, ob Jenson noch innen neben mir ist", entschuldigte sich Vettel beim ersten Interview noch auf dem Siegerpodest.
Force-India-Fahrer Nico Hülkenberg konnte seinen vierten Rang aus der verregneten Qualifikation nicht halten und wurde Neunter. Dahinter folgte Schumachers Mercedes-Kollege Nico Rosberg. Timo Glock im Marussia wurde 22.
"Ich habe wie ein Löwe gekämpft", funkte Vettel auf der Ehrenrunde an sein Team.
Aufruhr um Manipulation im Vorfeld
Überlagert wurde der Sonntagvormittag vom Aufruhr um das Red-Bull-Team des Doppel-Weltmeisters.
Jo Bauer, Technischer Delegierter des Automobil-Weltverbands, witterte Manipulation an den Autos von Vettel und dessen Teamkollegen Mark Webber beim Qualifying.
69 Min vor Rennbeginn dann die Erlösung für den Weltmeister. Die Stewards um Ex-Pilot Derek Warwick sahen in den Daten keinen Regelbruch. Gegen Red Bull werde nichts weiter unternommen .
Schumi vor Rennen optimistisch
Solche Aufregung war dem Drittplatzierten der Qualifikation, Mercedes-Star Michael Schumacher, erspart geblieben. Er hatte sich vor seinem Heimrennen gegenüber SPORT1 optimistisch gezeigt.
Selbst bei trockenen Bedingungen sei eine Podiumsplatzierung in Hockenheim durchaus möglich.
Aber der W03 werde besser funktionieren als in Silverstone, wo Schumacher auf trockener Piste ebenfalls als Dritter anfing, dann aber bis auf Position sieben durchgereicht wurde. "Das wird hier auf keinen Fall passieren."
Wie würden Schumacher und seine Konkurrenten mit den sommerlicheren Bedingungen klar kommen, das war die spannende Frage nach der Sintflut des Qualifyings
Vettel muss Schumi abwehren
Der Start verlief unspektakulär, vorne hielten alle Piloten ihre Positionen. Schumacher attackierte seinen Vordermann Vettel allerdings einige Male heftig.
Einen kleinen Etappensieg feierte der deutsche Force-India-Mann Nico Hülkenberg. Er konnte seinen überragenden vierten Startplatz zunächst durch die Startphase retten. Nach neun Runden war es damit vorbei: McLaren-Mann Jenson Button zog vorbei.
Einen Traumstart erwischte Mercedes' zweiter Pilot. Vom 21. schob er sich bis auf den 13. Rang vor.
Nach drei Runden dann Aufregung bei McLaren: Lewis Hamilton schlich in der Frühphase des Grands Prix mit einem platten linken Hinterreifen über den Parcours.
Nach dem Stopp fand er sich auf Platz 22 wieder.
An der Spitze änderte sich zunächst nichts: Alonso, Vettel, Schumacher, so ging es dahin.
Button in Runde 11 vorbei
Vettel gewann allmählich Zeit auf Schumacher, hielt aber Kontakt zu Alonso. Hinten musste Schumi sich gegen Button wehren - in Runde elf zog der Engländer vorbei.
Lotus-Star Kimi Räikkönen stoppte nach zwölf Runden als Erster und holte sich die weichen Pirellis ab.
Noch zwei Runden später legte dann Schumacher seinen ersten Stopp ein. Als Siebter kehrte er mit den weichen Pneus zurück - vor Räikkönen und Hülkenberg, der auch bereits gestoppt hatte.
Den schnellen Finnen allerdings konnte der deutsche Rekord-Weltmeister nicht sehr lange hinter sich halten, in Runde 21 zog Räikkönen am Mercedes-Piloten vorbei auf Platz vier.
Vorne führten Alonso und Vettel, zwei Sekunden voneinander getrennt. Button lag nach 17 Umläufen 5,5 Sekunden dahinter.
Vettel mit späterem Boxenstopp
In Runde 19: Alonsos erster Tausch von den weichen auf die harten Pneus. Button folgte, Vettel nicht. Der Weltmeister kam zwei Runden später. Wie Alonso hatte er auf der weichen Mischung begonnen und zog nun die harte auf.
Im Spitzenduell legte Vettel sechs Runden vor Halbzeit des Rennens zu, rückte auf eine Sekunde an Alonso heran. Der Abstand fiel weiter, doch gleichzeitig rückte auch Button näher an den Red-Bull-Weltmeister heran.
Dahinter tauchte - wenngleich zehn Sekunden zurück - Räikkönen auf. Vor Schumacher, dem wiederum vier Sekunden auf den Finnen fehlten.
Vettel kam Alonso bis zur Rennmitte nicht näher, dafür schloss Button immer weiter auf den Deutschen auf. Die Rundenzeiten des RB8 wurden schlechter.
Offenbar muckte das Bremsenergie-Rückgewinnungssystem an Vettels Renner. "Ernsthaft?", fragte der Titelverteidiger verärgert über Funk.
Runde 37: Schumachers zweiter Stopp, kurz darauf holte auch Räikkönen neue Reifen.
Button sprengt Führungsduo
In Runde 41 stoppte Button, eine Runde später auch das Führungsduo.
Alle drei hatten die harten Walzen mit dem Siberrand am Boliden, das Finale war eröffnet. Für Vettel indes mit fatalem Beginn: Ohne genügend Temperatur in den Reifen musste er Button passieren lassen.
Mit diesem Tempo, das zeichnete sich ab, würde der Engländer auch für Alonso kaum zu halten sein. Und Vettel? Sogar seine Verfolger Räikkönen und Schumacher unterboten konstant seine Rundenzeiten.
Schumi muss zum dritten Mal rein
Dass der Mercedes gut lief führte auch Schumachers Kollege Rosberg vor, der in Runde 48 schon als Achter geführt wurde. Und doch musste Schumacher nach 53 Runden zum dritten Mal anhalten, um sich weiche Reifen abzuholen. Er war dann nur noch Siebter.
In Runde 54 hatte Button Alonso eingeholt. Dahinter war Vettel zu sehen, wie er neben die Piste geriet, den RB8 aber abfangen konnte.
Während vorne Button um den Sieg kämpfte, stellte McLarens zweiter Mann Hamilton den MP4-27 neun Runden vor Ende in der Garage ab.
Manöver kurz vor Schluss
An der Spitze wehrte sich Alonso nach Kräften. Mit Erfolg, sein Abstand wuchs wieder auf über eine Sekunde. Dafür kam machte jetzt Vettel wieder Boden auf Button gut.
Drei Runden vor Schluss war der Lokalmatador dran. Eine Runde später überholte er ihn unter dem Jubel seiner Fans. Ob unter regelkonformen Bedingungen, wird sich noch zeigen.
Um Alonso einzuholen reichte es nicht. Der Spanier zog davon - zum zweiten Hockenheim-Triumph in Folge.
SPORT1











