Sintflut-Quali: Vettel und Schumi greifen nach Heim-Sieg
Vom Hockenheimring berichtet Marc Ellerich
Hockenheim - Sebastian Vettel hat im Wolkenbruch von Hockenheim verbissen um seine Chance auf den ersten Sieg beim deutschen Heimat-Grand-Prix gekämpft.
Nach einem sintflutartigen Qualifying-Finale lag lediglich WM-Leader Fernando Alonso im Ferrari vor dem nur 50 Kilometer von der badischen Rennstrecke aufgewachsenen Heppenheimer.
Mercedes-Rekordweltmeister Michael Schumacher profitierte von der Strafversetzung des zweiten Red-Bull-Fahrers Mark Webber wegen eines Getriebewechsels und liegt beim Start am Sonntag als Dritter in Schlagdistanz zum Duo in Reihe eins.
Schumachers Teamkollege Nico Rosberg erlebte beim Zeitfahren auf der 4,6 Kilometer langen Strecke ein Fiasko.
Der Mercedes-Pilot blieb im zweiten Durchgang hängen und muss obendrein noch eine Strafversetzung wegen eines Getriebewechsels verkraften. Er geht als 21. vor seinem Landsmann Timo Glock im Marussia ins Rennen .
Vettel Zweiter ohne Strassenkarte
Das Duell der WM-Anwärter um den Spitzenplatz beim Deutschland-Grand-Prix geriet wegen der Wassermassen auf dem Kurs zu einem Blindflug.
"Alles, was du siehst, ist der erste kleine Abschnitt vor deinem Auto", schilderte Doppel-Weltmeister Vettel auf SPORT1-Nachfrage die Verhältnisse: "Das ist nicht das beste Gefühl, aber so ist es nun einmal."
Man müsse das Asphaltband mehr erahnen vor lauter Gischt, so Vettel weiter: "Du brauchst keine Strassenkarte, um zu sehen, wo die Strecke verläuft. Aber, nicht falsch verstehen, du siehst sie nicht."
Immer in der Spur bleiben
Lediglich einen schmalen Bereich vor dem Auto könne der Pilot erkennen, berichtet der Titelverteidiger. Überall seien Wassermassen.
"Du erkennst zwei Spuren rechts und links neben dem Auto. Wenn du da drin bist, ist alles okay", sagt Vettel: "Wenn nicht, hast du ein Problem."
Hinzu komme massives Aquaplaning. "Wenn das Auto Aquaplaning hat, kannst du nichts mehr machen. Dann bist du Passagier", fügt er hinzu.
Die McLaren haben zu kämpfen
"Aber alles in allem kamen wir gut durch die Bedingungen", sagt Vettel. Lediglich mit seiner Zeit im dritten Quali-Abschnitt ist der Titelverteidiger unzufrieden: "Alonsos Zeit war zu packen. Aber ich habe zwei, drei kleine Fehler gemacht."
Doch der Mann mit der Nummer 1 auf dem RB8 wollte nicht zu lange hadern: "Das Ganze kann auch in eine völlig andere Richtung gehen."
Die Opfer des Hockenheimer Wolkenbruchs werden das ähnlich sehen. Die Lotus-Fahrer Kimi Räikkönen (10.) und Romain Grosjean (15.), genau wie das McLaren-Gespann Lewis Hamilton und Jenson Button.
Button startet als Sechster, Hamilton geht eine Position dahinter in seinen 100. Grand Prix.
"Da ging's ums Überleben"
Der Vorteil der Engländer: Wie auch die Mercedes-Crew haben sie vormittags Volltank-Tests absolviert. Vettel und Red Bull nicht, wie er gegenüber SPORT1 verrät.
Auch Alonso und die rote Scuderia haben die Volllast-Erfahrung nicht gemacht.
Der spanische Pole-Setter und Nebenmann Webber pflichteten Vettel und dessen Wetterbericht auf der internationalen Pressekonferenz bei. "Das war kein Spass", berichtete der Routinier aus Oviedo: "Da ging's ums Überleben."
Webber meinte reichlich direkt: "Da musstest du Eier zeigen."
Ferrari bei allen Bedinungen gut
Immer, wenn er auf die Strecke gefahren sei, hätten seine Reifen völlig unterschiedliche Haftung gehabt, schilderte Alonso das nasse Lotterie-Spiel während der 60 Minuten, die nur im ersten Abschnitt trocken blieben.
"Jedes Mal, wenn du eine Runde begonnen hast, gab es eine Überraschung nach der anderen", fügte der Spanier hinzu: "Am Ende bist du froh, egal wie deine Position ist."
Doch letztlich sah auch der Ferrari-Überflieger - ähnlich wie Verfolger Vettel - Positives: "Unser Auto war gut im Trockenen und im Nassen."
Schumi will aufs Podium
Darauf kann sich Michael Schumacher bei seinem W03 nicht verlassen.
"Ich glaube, dass wir im Regen definitiv eine Chance haben, aus eigener Kraft aufs Podium und vielleicht noch ein bisschen weiter nach vorne zu fahren", schätzt Schumacher gegenüber SPORT1 seine Situation vor dem zehnten Saisonrennen ein:
"Und im Trockenen ist der dritte Platz das Maximum, was für uns unter normalen Umständen möglich ist."
Funktioniert der Mercedes besser?
Schumacher, der als einziger Pilot vier Mal den Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim gewann, erinnerte ans Rennen vor zwei Wochen in Silverstone, als er als Dritter startete und das Ziel als Siebter erreichte.
"Das, hoffe ich mal, wird in Hockenheim nicht passieren, weil das Auto besser funktionieren wird."
Und vielleicht macht dem letzten deutschen Hockenheim-Sieger die Antwort seines Weltmeister-Nachfahren Vettel Mut.
Von SPORT1 gefragt, wie er und sein Team mit trockenem Wetter umgehen werden, meint er: "Für uns wird es morgen alle schwierig. Wir kennen den Kurs gut. Hoffentlich finden wir den Bremspunkt, vor allem in der zweiten Kurve, dann in der Haarnadel und dann - ja dann hast du Zeit um in den Rhythmus zu kommen."
SPORT1










