Partykönig Hamilton: Keine Feier zum 100.
Hockenheim - Dass ausgerechnet Lewis Hamilton keine Party zu seinem Jubiläumsrennen bekommen wird, sorgt bei manchem Kollegen für ein Schmunzeln.
Der Formel-1-Weltmeister von 2008 lasse schliesslich, so spottet manch einer, keine Feier aus.
Dies ist natürlich masslos übertrieben. Fakt ist aber, dass der Brite, der am Sonntag auf dem Hockenheimring seinen 100. Grand Prix fahren wird, im vergangenen Jahr eher durch sein Privatleben in den Schlagzeilen stand als durch sportliche Erfolge.
Als Weltmeister Sebastian Vettel auf der Pressekonferenz in Hockenheim nach dem Schutz des Privatlebens gefragt wurde, antwortete er frech: "Zu dem Thema sollten wir vielleicht mal Lewis fragen. Der hat da eine ganz spezielle Einstellung."
Hamilton sorgt immer wieder für Schlagzeilen
Der daneben sitzende Rekordchampion Michael Schumacher musste daraufhin so herzhaft lachen, dass er sich beinahe verschluckte.
Der britische Boulevard hatte wenige Tage zuvor berichtet, Hamilton habe nach dem Heim-Rennen in Silverstone mit zehn Damen auf dem Hotelzimmer gefeiert.
Im Vorjahr hatte er sich ein ums andere Mal in den Klatschspalten der Zeitungen wiedergefunden:
Die Hop-on-Hop-off-Beziehung mit Popstar Nicole Scherzinger, Auftritte auf roten Teppichen, der Streit mit seinem Vater und Ex-Manager Anthony sowie eine obskure Verschwörungstheorie gegenüber den Rennkommissaren ("Vielleicht, weil ich schwarz bin") hatten dafür gesorgt.
Verrückter "Möchtegern-Superman"?
Sein Manager heisst inzwischen übrigens Simon Fuller.
Der hatte einst die Spice Girls zu Pop-Stars gemacht und Fussballstar David Beckham ein Glamour-Image verpasst. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt.
Auf der Strecke war Hamilton durch zahlreiche "Rambo-Anfälle" auffällig geworden.
Sein brasilianisches "Daueropfer" Felipe Massa bezeichnete ihn als "verrückt" und "Möchtegern-Superman", RTL-Experte Niki Lauda als "komplett wahnsinnig".
Keine Party von McLaren
Bei McLaren, das Hamilton seit dessen 14. Lebensjahr unter den Fittichen hat, sah man die Entwicklung mit Sorge.
Den Stab über diesen eigentlich so wohlerzogenen und sympathischen Jungen aus Stevenage in der Grafschaft Hertfordshire, der als Vize-Weltmeister im ersten und Champion im zweiten Jahr wie ein Komet in die Formel 1 geschossen war, brach man in Woking aber nicht.
Dennoch stellt sich die Frage: Wieso erhält Hamilton zu seinem 100. Formel-1-Rennen kein Geschenk und keine Party - wo McLaren beim 200. Rennen von Teamkollege Jenson Button im Vorjahr in Budapest doch eine grosse Sause machte?
Hockenheim ein "Meilenstein"
"100 Rennen schaffen viele, 200 ist eine ungewöhnlichere Zahl", heisst es dort: "Ausserdem macht sich Lewis selbst nicht so viel aus diesem Jubiläum."
Tatsächlich bezeichnete Hamilton das Rennen als einen "Meilenstein" in seiner Laufbahn.
Also doch eine erzieherische Massnahme für den aktuellen WM-Vierten?
Mit der offenen Vertragssituation habe die ausbleibende Ehrung jedenfalls nichts zu tun, versichert man bei McLaren.
Keine Alternative für Hamilton
In der Kommandozentrale betrachtet man das Verhalten Hamiltons in dieser Hinsicht zwar etwas missmutig, aber auch entspannt.
Im Gegensatz zum pokernden Schützling wissen Teamchef Martin Whitmarsh und Co. nämlich: Hamilton hat eigentlich keine Alternative.
Der Australier Mark Webber hat seinen Vertrag als Teamkollege von Vettel bei Red Bull verlängert .
Bei Mercedes tendiert Schumacher zum Weitermachen, als erste Alternative gilt Paul di Resta.
"Haben kein Ultimatum gestellt"
Und einen Hamilton-Wechsel zu Ferrari wird der ihm in inniger Ablehnung verbundene Platzhirsch Fernando Alonso (Spanien) zu verhindern wissen.
"Wir haben ihm ein Angebot gemacht, jetzt ist Lewis am Zug", sagte eine McLaren-Sprecherin: "Wir haben ihm dabei aber kein Ultimatum gestellt."
Der etwas aus der Spur geratene Zögling wird den Schoss der Familie schon nicht verlassen.
Eine Party bekommt er trotzdem nicht.
SPORT1










