Die Rückkehr des Reifenkriegs?
Von Felix Götz
München - In dieser Saison wurden die Pneus von Pirelli von so manchem Fahrer kritisiert.
"Wir fahren wie auf rohen Eiern. Ich denke, dass die Reifen eine zu grosse Wirkung haben", sagte beispielsweise Michael Schumacher .
Und Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko meinte: "Pirelli hat den Auftrag erhalten, die Formel 1 spannender zu machen. Diesen Auftrag haben sie überzogen."
Diese Kritik könnte sich bereits Ende der Saison 2013, wenn der Vertrag mit dem italienischen Reifenlieferanten ausläuft, erledigt haben.
Denn einem Bericht von "Auto Bild motorsport" zufolge will der französische FIA-Präsident Jean Todt seine Landsleute von Michelin zu einer Rückkehr in die Königsklasse überreden.
Rückzug wegen den Statuten
Der Reifenhersteller hatte sich nach der Saison 2006 im Streit aus der Formel 1 zurückgezogen.
Der Grund: Die Statuten. Damals wurde die bis heute gültige Regel eingeführt, dass alle Teams nur von einem einzigen Reifenhersteller beliefert werden dürfen.
Schliesslich hatte Bridgestone das Reifenmonopol von 2008 bis 2010 inne, seit dem 1. Januar 2011 ist Pirelli am Ruder.
Ändern sich die Umstände?
Schon beim Michelin-Ausstieg 2006 hatte der mittlerweile verstorbene Firmenchef Edouard Michelin gesagt: "Falls sich die Umstände irgendwann wieder ändern, ist eine Rückkehr nicht ausgeschlossen."
Seither verabschiedete sich Michelin offenbar nie ganz von dem Gedanken, Ferrari, Mercedes & Co. wieder zu beliefern.
An der Haltung der Firma aus Clermont-Ferrand hat sich allerdings nichts geändert.
Michelin will freien Wettbewerb
"Michelin kann sich eine Teilnahme an der Formel 1 dann - und nur dann - vorstellen, wenn Regeländerungen eingeführt werden, die den Sport näher an die Werte des Unternehmens heranrücken", teilte Michelin gegenüber "Motorsport-Total.com" mit.
Und weiter: "Insbesondere bedeutet das freien Wettbewerb zwischen mehreren Reifenherstellern, damit Michelin seine technologischen Qualitäten unter Beweis stellen und zu einem Spektakel für das Publikum beitragen kann."
Vor allem in den Jahren 2001 bis 2003 war es durch die Konkurrenzsituation zwischen Michelin und Bridgestone zu einem ständigen Aufrüsten - dem sogenannten Reifenkrieg - gekommen. Konkurrenz belebt eben das Geschäft.
Pirelli mit anderer Philosophie
Kommt es nun also zur Rückkehr des Reifenkrieges?
Letztlich muss es die Formel 1 entscheiden. Denn Pirelli vertritt eine völlig andere Philosophie.
Der Hersteller aus Mailand will aus Kostengründen nur Alleinausrüster sein. Soll heissen: Ohne Reifenmonopol keine Formel 1.
Zudem will Pirelli ein aktuelles Testauto zur Verfügung haben und es darf keine zusätzlichen Regenreifen geben, um die Kosten kontrollieren zu können.
Hembery will verlängern
Inwiefern eine Regeländerung und ein damit verbundener Einstieg von Michelin realistisch ist, bleibt abzuwarten.
Sicher ist, dass Pirelli grundsätzlich gerne den Vertrag verlängern und bis mindestens Ende 2016 weiter liefern würde.
"Stimmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, dann wollen auch wir mittelfristig bleiben. Es ist nun mein Job, das hinzukriegen", so Pirelli-Sportchef Paul Hembery.
SPORT1










