Maldonado: Vom Himmelsstürmer zum Bruchpiloten
Von Tobias Wiltschek
München - Zwei Monate ist es jetzt her, dass ein gewisser Pastor Maldonado das Rennen in Barcelona gewann.
Mit dem Sieg beim fünften Grand Prix des Jahres sorgte der Venezolaner im Williams für die passende Pointe der ersten Saisonrennen, die bis dahin einige Überraschungen bereit hielten .
"Das ist ein wunderbarer Tag", freute sich Maldonado nach seinem Sensationstriumph.
Doch dem grossen Wurf folgte der tiefe Sturz.
Kein Punkt in vier Rennen
In den folgenden vier Grands Prix ging der 27-Jährige leer aus. Keinen einzigen Punkt mehr konnte er holen und rutschte in der WM-Wertung auf Platz zehn ab .
"Ich mache derzeit einfach eine schlechte und unglückliche Phase durch", klagte Maldonado. Dabei sorgen nicht allein die fehlenden Erfolgserlebnisse für triste Stimmung beim Südamerikaner.
Nach mehreren Kollisionen in letzter Zeit ist aus dem strahlenden Sieger von Barcelona der Bruchpilot geworden, der wegen seiner mangelnden Erfahrung Unfälle provoziert und damit auch die Konkurrenten um den Erfolg bringt.
Kollision mit Perez
Zuletzt sah sich Sauber-Pilot Sergio Perez als Opfer des Fahrstils von Maldonado, der den Mexikaner in Silverstone nach einem missglückten Bremsmanöver von der Strecke beförderte.
Nach dem Rennen war Perez stinksauer und bezeichnete den Unfallverursacher als "dummen und gefährlichen Fahrer".
Der gab zwar zu, den Crash ausgelöst zu haben, wies aber den Vorwurf der Absicht weit von sich.
"Ich kam halt aus der Box und hatte kalte Reifen", verteidigte sich der GP2-Champion von 2010. "Wir fuhren dicht nebeneinander und ich verlor das Heck ein bisschen. Dann kam es eben zu einer Berührung."
Vom Chefingenieur verteidigt
Auch sein Team verteidigte ihn. "Unserer Meinung nach drängte Perez Pastor ab", wird Williams-Chefingenieur Mark Gillan bei "ESPN" zitiert. "Pastor war auf der Innenseite unterwegs, als er bremste. Dabei blockierten die Räder, und er traf Perez mit dem Heckflügel."
Um eine Strafe kam der erste venezolanische Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte dennoch nicht herum, wobei die 10.000 Euro in dem Geschäft wohl eher eine symbolische als eine erzieherische Wirkung haben.
Zumal Maldonado mittlerweile als Wiederholungstäter eingestuft werden muss. In Monaco war er im Qualifying schon einmal mit Perez aneinandergeraten, und in Valencia kollidierte er kurz vor Schluss mit McLaren-Star Lewis Hamilton, der sich auf Podiumskurs befand.
Marko fordert härtere Strafen
"Die Geldstrafe nützt da überhaupt nichts", ärgerte sich Red-Bull-Berater Helmut Marko bei "Servus TV", "vor allem wenn sie in einem relativ bescheidenen Rahmen ist."
Der Österreicher forderte: "Da hilft nur Zurückversetzung, aber nicht im jeweiligen Rennen, sondern für die nächste Startaufstellung." Nur so könnten die unerfahrenen Piloten zum Nachdenken gebracht werden, wie sie in eine Kurve fahren.
Keine Änderung der Fahrweise
Seine Fahrweise will Maldonado trotz der Kritik nicht ändern. "In den anderen Rennen und auch zu Saisonbeginn bin ich sehr sauber gefahren und hatte keine Probleme", rechtfertigte er sich.
Vielmehr gelte es, jetzt einfach weiterhin viel Druck zu machen.
Was diese Ankündigung für seine Konkurrenten bedeutet, wird der nächste Grand Prix in gut einer Woche auf dem Hockenheimring zeigen.
SPORT1
