Massas Ende bei der Scuderia nur aufgeschoben?
Von Björn Seitner
München - Ferrari-Boss Luca di Montezemolo zeigte sich durchaus erfreut über das Ergebnis von Silverstone.
"Er hat hart gekämpft, war schnell und das ganze Wochenende konstant", freute sich der Italiener über Felipe Massas vierten Platz.
Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 2005 geht es beim viel kritisierten Brasilianer langsam aufwärts.
Doch ist dieser Aufschwung steil genug für eine Vertragsverlängerung bei den Roten?
Offenbar nicht, denn sonst hätten die Italiener kaum mit Mark Webber verhandelt.
Massas Ende nur aufgeschoben?
"Es gab Gespräche mit Ferrari, ich habe mich aber für Red Bull entschieden", erklärte Webber nach seiner Vertragsverlängerung bei den "Bullen" .
Glück für Massa, denn sonst wäre sein Ende bei der Scuderia schon besiegelt gewesen.
Da Webber Red Bull jedoch die Treue hält, hat auch Ferrari wieder alle Zeit der Welt.
"Ich habe es ja schon die ganze Zeit gesagt: Wir sind nicht in Eile", erklärte Teamchef Stefano Domenicali zuletzt .
Letzter Sieg vor vier Jahren
Massa muss in den ausstehenden elf Saisonrennen ordentlich Gas geben will er seinen Arbeitgeber noch von einer Vertragsverlängerung überzeugen.
Der 31-Jährige hat als 13. der Fahrerwertung nach neun Rennen erst 23 WM-Punkte auf dem Konto .
Sein letzter Grand-Prix-Sieg ist bereits knapp vier Jahre her. 2008 gewann er Anfang November in Sao Paulo sein Heim-Rennen, verpasste den Weltmeistertitel nur um einen Punkt.
Horror-Unfall 2010
Ein Jahr später dann die Horror-Saison für Massa: Beim Ungarn-GP traf ihn eine 800 Gramm schwere Metallfeder bei Tempo 240 km/h am Helm.
Der Brasilianer verlor das Bewusstsein, raste frontal in einen Reifenstapel und zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu. Die Saison war beendet.
Seitdem fährt der Routinier nur noch hinterher.
Seit Alonso nur die Nummer zwei
Seit Massa 2010 dann mit Fernando Alonso einen neuen Teamkollegen vor die Nase gesetzt bekam, spielt er nur noch die zweite Geige.
Die Stallorder gipfelte beim Hockenheim-Rennen vor zwei Jahren darin, dass Massa Alonso überholen lassen musste um diesem wichtige Punkte für den Titel zu schenken.
Ferrari wurde damals mit einer Geldstrafe von rund 80.000 Euro belegt.
Grosser Leistungsunterschied bei Ferrari
Der grösste Leistungsunterschied zwischen ihm und Alonso offenbarte sich zuletzt beim Europa-Grand-Prix in Valencia: Während Alonso seinen zweiten Sieg feierte, landete Massa nur auf Rang 16.
"Es ist eine schwierige Zeit für mich. Es kommt derzeit viel Kritik von aussen, aber ich bin das gewöhnt, es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert", sagte Massa über die bisherige Saison.
Platz vier in Silverstone war dann zwar sein bestes Ergebnis. Dennoch können die Roten mit den insgesamt 23 Zählern nicht zufrieden sein.
Gibt es Kandidaten für das Cockpit?
Dass Massa nun doch noch Zeit bekommt ist auch den unkonstanten Rivalen zu verdanken.
Sauber-Pilot Sergio Perez ist seit langem auf dem Ferrari-Radar. Der 22-Jährige holte bisher sogar 16 Punkte mehr als Massa.
Di Montezemolo glaubt zwar, dass der Mexikaner zu den "potenziell besten jungen Piloten" gehört, ihm aber noch die nötige Erfahrung für einen Top-Rennstall wie Ferrari fehlt. Auch Caterham-Fahrer Heikki Kovalainen wäre ein möglicher Kandidat.
Ferrari lässt sich mit der Entscheidung laut Domenicali aber noch Zeit.
Massa glaubt jedenfalls noch an eine Verlängerung: "Wenn ich weiter hart daran arbeite das Auto zu verbessen, sehe ich keinen Grund, warum nicht."
Der Kampf um das Cockpit ist also eröffnet.
SPORT1










