Das Warten auf Schumis Entscheidung
Silverstone - Das Warten hat ein Ende, jetzt beginnt das Warten:
Den ersten Podiumsplatz für Mercedes hat Michael Schumacher seit knapp zwei Wochen in der Tasche, seine Entscheidung über ein weiteres Jahr in der Königsklasse steht dagegen noch aus.
Ohne Emotionen und wohl überlegt will der Rekordweltmeister abwägen, ob er auch im kommenden Jahr noch im Mercedes-Silberpfeil sitzen wird - und dabei will er sich nicht drängen lassen.
"Ich hatte nie einen Zeitpunkt genannt", sagte Schumacher unlängst in Valencia, bevor er dort Platz drei belegte .
Extraklasse wieder ganz nahe
Dabei spricht momentan eigentlich vieles für eine Verlängerung der Ehe Mercedes-Schumacher.
Im dritten Jahr seit seinem Comeback hat Schumacher nicht nur in Valencia bewiesen, dass er seiner früheren Extraklasse wieder ganz nahe gekommen ist.
Auch die Fahrt zur Qualifying-Bestzeit in Monaco war ein deutlicher Fingerzeig, bei der Zeitenjagd ist er auf Augenhöhe mit Teamkollege Nico Rosberg.
Dass Schumacher in der WM-Wertung deutlich hinter Rosberg und der Spitze liegt, ist nicht seine Schuld, schliesslich liess ihn sein Auto in dieser Saison schon viermal im Stich.
Schumi müsste wohl nur Ja sagen
Es ist aber auch endlich schnell genug, um zumindest phasenweise ganz vorne mitzumischen.
Daran hat Schumacher zwei lange Jahre mitgearbeitet. Deshalb wäre es nur logisch, wenn er jetzt auch die Früchte seiner Arbeit ernten möchte.
Dafür müsste er wohl nur Ja sagen, denn sein alter Weggefährte Ross Brawn, der ihn bei Benetton und Ferrari zu allen sieben WM-Titeln führte, hält ihm das Cockpit frei .
Allerdings wohl auch nicht unendlich lange, denn bei aller Rücksicht auf Schumacher muss Mercedes auch für die kommende Saison planen.
Schumacher wirkt gelöst
"In den nächsten sechs Wochen müssen wir uns überlegen, was wir nächstes Jahr tun wollen - das ist die wichtigste Entscheidung", hatte Brawn am Dienstag im Vorfeld des britischen Grand Prix in Silverstone (1. Freies Training, Fr., ab 11 Uhr im LIVE-TICKER) gesagt:
"Danach wissen wir, ob wir uns umsehen müssen oder mit den Fahrern weitermachen, die wir haben." Schumacher will seine Entscheidung mit Bedacht treffen.
"Was meine Zukunft in der Formel 1 betrifft, werde ich mich ganz bestimmt nicht von emotionalen Gedanken treiben lassen. Für Entscheidungen von solcher Tragweite musst du noch ganz andere Dinge miteinbeziehen", sagte der 43-Jährige, der sich augenscheinlich momentan in der Königsklasse pudelwohl fühlt.
Er wirkt gelöst und entspannt wie nie zuvor in seiner Karriere, die er Ende 2006 zum ersten Mal beendet hatte, weil ihm die Leidenschaft und das Feuer abhanden gekommen waren.
Die Karriere abrunden
Der Aufbau eines neuen Siegerteams - wie einst bei Ferrari - hatte Schumacher nach drei Jahren Erholung aber zur Rückkehr gereizt.
Nur zu gerne würde er mit Brawn und Mercedes, die ihm einst den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht hatten, seine Karriere abrunden.
Zumindest mit einem weiteren GP-Sieg, dem dann 92. für ihn, und möglichst mit dem WM-Titel für Mercedes.
"Ich liebe es"
Dass der Weg dorthin steiniger ist als vielleicht zuvor erwartet, scheint den Kerpener nur noch mehr anzustacheln.
Er sei niemand, "der gerne etwas geschenkt kriegt", sagte Schumacher: "Ich liebe es, dass ich meinen Erfolg erarbeiten muss. Die Formel 1 macht mir auch nach allem, was geschehen ist, immer noch grossen Spass."
Was ihm auch jeder anmerkt, wie zum Beispiel der sechsmalige Le-Mans-Sieger und frühere Formel-1-Pilot Jacky Ickx.
"Er ist trotz seines Alters mit einer Leidenschaft dabei, als wäre er ein kleiner Junge", sagte der Belgier über Schumacher:
"Er brennt, hat Freude am Fahren und wäre in dieser Saison mit ein bisschen mehr Glück auch öfter auf das Podium gefahren. Schumacher kann auch in der nächsten Saison eine gute Rolle spielen."
SPORT1










